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Die Probleme vieler Entwicklungsländer

  • Je nach Land ist die mütterliche Sterblichkeit 50 bis 300 Mal höher als in Deutschland. Die Neugeborenen-Sterblichkeit ist sieben mal höher, und jedes fünfte Kind erreicht nicht das fünfte Lebensjahr.
  • Pro Patient und Jahr stehen von Staats wegen nur acht bis 15 Euro für die Gesundheitsversorgung zur Verfügung.
  • Die ganze Nation Laos hatte 2004 gerade mal 16 Frauenärzte für sechs Millionen Einwohner (im Vergleich dazu: die Stadt Freiburg hatte 44 Frauenärzte). Im ländlichen Bereich außerhalb der Hauptstadt, wo achtzig Prozent der Bewohner des Landes leben,  gab es bis vor kurzem keine/n einzige/n Frauenarzt/ärztin.
  • Eine frauenärztliche Gesundheitsversorgung, wie sie bei uns seit über 100 Jahren existiert, existiert im ländlichen Bereich nicht. Nur Einzelbereiche, wie Schwangerenvorsorge, Geburtshilfe und Familienplanung, werden von unzureichend ausgebildeten Allgemeinärzten und Schwestern auf dem Gemeinde- und Distriktniveau bereitgestellt.
  • Eine Zuweisung von komplizierten Krankheitsbildern in die Provinzkrankenhäuser ist in Laos zwar möglich, aber eine adäquate Versorgung ist dort nicht sichergestellt, da weder Distrikt- noch Provinzkrankenhäuser über eine fachärztliche Medizin verfügen.
  • Im Fall von Laos ist die geburtshilfliche Versorgung der Patientin selbst für Entwicklungsländer unterdurchschnittlich, da es in den meisten Distrikten keine ausgebildeten Hebammen gibt. Vierzig Prozent der Distriktkrankenhäuser können in Laos nicht einmal einen Kaiserschnitt durchführen.
  • Der unzureichende Ausbildungsstand der Allgemeinärzte, der wenigen Hebammen und Krankenschwestern auf dem Land ist vor allem auf die schlechte Ausbildung in den zentralen Ausbildungseinrichtungen wie Universitäten dieser Länder zurückzuführen. Die Universitäten der Entwicklungsländer wurden in den vergangenen 30 Jahren nicht nur unzureichend von den eigenen Länderregierungen gefördert, sondern auch von der internationalen Entwicklungszusammenarbeit als wichtigste Wissensmultiplikatoren ignoriert.

Ausbildungsprobleme in Europa

Es ist beileibe nicht so, dass wir in Europa keine Ausbildungsprobleme im Bereich der Frauenheilkunde und Geburtshilfe haben. In der Vergangenheit herrschte vor allem in Mitteleuropa das "Learning-by-doing" vor. Nur wenige angelsächsische und skandinavische Institutionen beteiligten sich aktiv an der theoretischen Weiterbildung ihrer Facharztanwärter und wandten problembasierte Lehr- und Lernmethoden an. Hinzu kommt, dass es bis heute keine speziell für die Facharztausbildung geschriebenen Lehrmaterialien gab. Um das notwendige Wissen für die Facharztreife zu erlangen, mussten sich die Klinikärzte mit hohem finanziellen Aufwand um eigene Weiterbildung in Kursen bemühen, zeitaufwendige Literaturrecherchen durchführen und hatten dabei immer noch das Problem, relevante von weniger relevanten Lehrinhalten trennen zu müssen. Praxisbezogene und problembasierte Lehrmaterialien gab es bisher nur in Ausnahmen.

In Mitteleuropa konnte dennoch mit hohem Anspruch an das Qualitätsmanagement die mütterliche Sterblichkeit auf eine Rate von zwei bis acht auf 100.000 Lebendgeburten pro Jahr gesenkt werden. In osteuropäischen Ländern, teilweise auch in den neuen EU-Mitgliedsstaaten, rangiert die mütterliche Sterblichkeit immer noch zehn- bis zwanzigmal höher als beispielsweise in der Bundesrepublik Deutschland. Neben knapperen Ressourcen in der klinischen Medizin sind hier aber auch die finanziellen Limitierungen der Universitäten, veraltete Unterrichtsformen, schlechte Englischkenntnisse, fehlende Behandlungsrichtlinien und Standards dafür verantwortlich.

Die neuen Mitgliedsländer der EU orientieren sich heute nach Westeuropa. Derzeit arbeiten bereits Tausende von osteuropäischen Ärzten in den alten Mitgliedsländern der EU, obwohl sie nach unterschiedlichen Standards ausgebildet wurden. Um den Patienten aller EU-Mitgliedsländer ein qualitätsvolles Management ihrer Gesundheitsprobleme bieten zu können, sollen in Zukunft alle europäischen Ärzte nach den Qualitätsstandards des europäischen Curriculums des European Board and College of Obstetrics and Gynecology ausgebildet werden. Hier werden vor allem in den neuen Mitgliedsländern Osteuropas standardisierte Curricula und englischsprachige Lehrmaterialien für eine gute Ausbildung zum Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe benötigt (siehe Projekt Postgraduiertenkolleg).