Die Probleme vieler Entwicklungsländer
Ausbildungsprobleme in EuropaEs ist beileibe nicht so, dass wir in Europa keine Ausbildungsprobleme im Bereich der Frauenheilkunde und Geburtshilfe haben. In der Vergangenheit herrschte vor allem in Mitteleuropa das "Learning-by-doing" vor. Nur wenige angelsächsische und skandinavische Institutionen beteiligten sich aktiv an der theoretischen Weiterbildung ihrer Facharztanwärter und wandten problembasierte Lehr- und Lernmethoden an. Hinzu kommt, dass es bis heute keine speziell für die Facharztausbildung geschriebenen Lehrmaterialien gab. Um das notwendige Wissen für die Facharztreife zu erlangen, mussten sich die Klinikärzte mit hohem finanziellen Aufwand um eigene Weiterbildung in Kursen bemühen, zeitaufwendige Literaturrecherchen durchführen und hatten dabei immer noch das Problem, relevante von weniger relevanten Lehrinhalten trennen zu müssen. Praxisbezogene und problembasierte Lehrmaterialien gab es bisher nur in Ausnahmen. In Mitteleuropa konnte dennoch mit hohem Anspruch an das Qualitätsmanagement die mütterliche Sterblichkeit auf eine Rate von zwei bis acht auf 100.000 Lebendgeburten pro Jahr gesenkt werden. In osteuropäischen Ländern, teilweise auch in den neuen EU-Mitgliedsstaaten, rangiert die mütterliche Sterblichkeit immer noch zehn- bis zwanzigmal höher als beispielsweise in der Bundesrepublik Deutschland. Neben knapperen Ressourcen in der klinischen Medizin sind hier aber auch die finanziellen Limitierungen der Universitäten, veraltete Unterrichtsformen, schlechte Englischkenntnisse, fehlende Behandlungsrichtlinien und Standards dafür verantwortlich. Die neuen Mitgliedsländer der EU orientieren sich heute nach Westeuropa. Derzeit arbeiten bereits Tausende von osteuropäischen Ärzten in den alten Mitgliedsländern der EU, obwohl sie nach unterschiedlichen Standards ausgebildet wurden. Um den Patienten aller EU-Mitgliedsländer ein qualitätsvolles Management ihrer Gesundheitsprobleme bieten zu können, sollen in Zukunft alle europäischen Ärzte nach den Qualitätsstandards des europäischen Curriculums des European Board and College of Obstetrics and Gynecology ausgebildet werden. Hier werden vor allem in den neuen Mitgliedsländern Osteuropas standardisierte Curricula und englischsprachige Lehrmaterialien für eine gute Ausbildung zum Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe benötigt (siehe Projekt Postgraduiertenkolleg).
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